Informations- und Kommunikationstechnik

Tiefpässe - frequenzabhängige Spannungsteiler

Kondensatoren und Spulen sind von der Frequenz abhängige Widerstände. Dieses Kapitel untersucht das Verhalten passiver RC- und RL-Reihenschaltungen an sinusförmiger Spannung. Entsprechende aktive Schaltungen sind an anderer Stelle als Integrierverstärker beschrieben.

Im Frequenzbereich unterhalb 1 MHz gilt in den meisten Schaltungen der ohmsche Widerstand (Wirkwiderstand) als von der Frequenz unabhängig. Die Werte kapazitiver Blindwiderstände nehmen mit zunehmender Betriebsfrequenz hin ab, während induktive Blindwiderstände größere Werte annehmen. An einem RC-Spannungsteiler ist daher die Spannung parallel zum Kondensator bei tiefen Frequenzen groß und bei hohen Frequenzen klein. An einer RL-Reihenschaltung wird der gleiche Effekt erzielt, wenn die Ausgangsspannung parallel zum Wirkwiderstand gemessen wird.

Tiefpässe

Die Amplitude der Eingangsspannung soll für alle Eingangsfrequenzen konstant sein. Beim RC-Tiefpass ist der kapazitive Blindwiderstand für hohe Frequenzen sehr klein und damit sind auch die Ausgangsspannungen niedrig. Nur Signale mit tieferen Frequenzen passieren den Tiefpass fast ungedämpft. Beim RL-Tiefpass ist der induktive Blindwiderstand nur für tiefe Frequenzen so klein, dass die Ausgangsamplitude fast der Eingangsamplitude entspricht.

In der Elektronik werden Baugruppen entsprechend ihrer Funktion oft als Blocksymbole dargestellt. Die Darstellungsform, die ehemals als Vierpol bezeichnet wurde, nennt derzeit Zweitor. Links ist das Eingangstor mit zwei Eingangspolen, rechts sind die zwei Pole des Ausgangstors. Meistens sind die unteren Pole die gemeinsame Signalmasse und werden als ein Bezugspol dargestellt. Die eingetragenen Buchstaben oder Symbole kennzeichnen die Eigenschaften des Vierpols.

In der folgenden interaktiven Simulation kann der Verlauf der Ausgangsspannung in Abhängigkeit von der Frequenz interaktiv untersucht werden. Die Amplitude der Eingangsspannung ist für alle Messreihen konstant, nur die Frequenz ist variierbar. Die grafische Auswertung wird als Durchlasskurve oder Amplituden-Frequenzgang des Tiefpasses bezeichnet. Zur Darstellung großer Frequenzbereiche ist es üblich die Frequenzachse logarithmisch zu unterteilen, während die Amplitudenachse linear geteilt bleibt. Dargestellt ist das Verhältnis der Ausgangsgröße zur Eingangsgröße als Funktion der Frequenz. Diese normierte, relative Darstellung ergibt eine allgemeingültige Aussage und ist unabhängig von der absoluten Eingangsgröße.

Im Film können per Schieber für R und C unterschiedliche Werte eingestellt werden. Der daraus folgende Kurvenverlauf wird berechnet und grafisch dargestellt. Mit den Schaltflächen rechts lassen sich verschiedene Ausgabedarstellungen wählen. Durch Verschieben des Cursors entlang der Frequenzachse werden die Funktionswerte an dieser Kurvenposition angezeigt. Nur bei einer Frequenz, der Grenzfrequenz fg, ist der Blindwiderstandswert gleich dem ohmschen Widerstandswert. Das Amplitudenverhältnis bei dieser im Diagramm hervorgehobenen Frequenz beträgt 0,707 (≈ 71%) oder −3dB.

Die Phasenlage der Ausgangsspannung ist auf die Eingangsspannung mit festgelegtem Phasenwinkel φ = 0° bezogen. Sie ist proportional zur Impedanz Z der Schaltung. Die Ausgangsspannung am RC-Tiefpass wird parallel zum Kondensator gemessen und ist in Bezug zur Eingangsspannung nacheilend. Beim LR-Tiefpass wird die Ausgangsspannung am Wirkwiderstand abgegriffen und eilt ebenfalls nach. Der Phasenwinkel nimmt Werte zwischen 0° und −90° an. Für die Grenzfrequenz ist definiert, dass der Blindwiderstandswert gleich dem Wirkwiderstandswert ist. Der Phasenwinkel beträgt dann immer absolut 45°, beim Tiefpass gilt φ = −45°. Da der Zeiger der Ausgangsgröße zum Bezugszeiger der Eingangsgröße im Uhrzeigersinn weggedreht ist, erhält der Phasenwinkel ein negatives Vorzeichen.

Die Grenzfrequenz

Im Zeigerdiagramm ist der Phasenwinkel zwischen der Wirk- und Blindkomponente immer 90°. Da die Eingangsspannung über beide Widerstände oder der Gesamtimpedanz anliegt, bildet ihr Zeiger die Hypotenuse des rechtwinkligen Dreiecks mit den Widerstandszeigern. Nur bei einer bestimmten Frequenz haben beide Widerstände den gleichen Wert und gleiche Zeigerlängen. Wird die Länge auf den Wert 1 gesetzt, dann errechnet sich die Hypotenuse aus der geometrischen Addition der Teilwerte mit dem Ergebnis √2. Wird dieser Eingangsgröße der Wert 1 zugeordnet, dann müssen die Kathetenwerte durch Wurzel 2 dividiert werden. Die Längen der Widerstands- oder Spannungszeiger haben dann den Wert 0,707. Der rechte Winkel wird zu je 45° geteilt. Das sind die definierten Verhältnisse bei Grenzfrequenz.

Mathematische Herleitungen

Beim Tiefpass wird der Frequenzbereich unterhalb der Grenzfrequenz als Durchlass- und darüber als Sperrbereich bezeichnet. Das Verhalten einer Schaltung kann mithilfe ihrer Übertragungsfunktion schnell beurteilt werden. Sie ergibt sich aus dem Verhältnis der Ausgangsspannung bezogen auf die Eingangsspannung. Für den RC- und RL-Tiefpass werden die Übertragungsfunktionen ohne komplexe Rechnung hergeleitet.

Die Übertragungsfunktionen

Die Übertragungsfunktion für einen RC-Tiefpass

Die Eingangsspannung liegt parallel zu beiden Widerständen und somit an der Impedanz Z. Beim RC-Tiefpass wird die Ausgangsspannung parallel zum Blindwiderstand des Kondensators abgenommen. Das Spannungsverhältnis wird auf die Ausgangsspannung normiert und nach wenigen Umformungen ist die Übertragungsfunktion aufgestellt.

Übertragungsfunktion zum RC-TP

Die Übertragungsfunktion für einen RL-Tiefpass

Die Eingangsspannung liegt über beide Widerstände, der Gesamtimpedanz. Die Ausgangsspannung wird beim RL-Tiefpass parallel zum ohmschen Widerstand abgegriffen. Die mathematische Herleitung der Übertragungsfunktion erfolgt wie oben entsprechend angepasst.

Übertragungsfunktion zum RL-TP

Bei der Darstellung des Amplituden-Frequenzgangs wird anstelle des Spannungsverhältnisses oftmals das Pegelmaß verwendet. Weit genug oberhalb der Grenzfrequenz ist dann der Kurvenverlauf im Sperrbereich linear fallend. Das Dämpfungsmaß errechnet sich aus der Steigung. Der charakteristische Wert für einen passiven Tiefpass 1. Ordnung beträgt 6 dB bei Frequenzverdoppelung entsprechend einer Oktave. Wird der Wert einer Frequenzverzehnfachung angegeben, so beträgt das Dämpfungsmaß 20 dB pro Dekade.

Bodediagramm mit Pegelmaß beim LR-TP

Beim RC-Tiefpass wird die Ausgangsspannung am Kondensator abgegriffen.
Beim RL-Tiefpass wird die Ausgangsspannung am Widerstand abgegriffen.
Eingangssignale mit tiefen Frequenzen durchlaufen die Schaltung fast ungehindert.
Mit steigender Eingangsfrequenz wird die Ausgangsamplitude stetig kleiner.
Bei der Grenzfrequenz fg gilt Ua = 0,707·Ue. Die Dämpfung beträgt 3 dB.
Bei fg ist das Ausgangssignal um φ = −45° zum Eingangssignal phasenverschoben.
Bei f » fg beträgt die Dämpfung 6 dB/Oktave das entspricht 20 dB/Dekade.

Die beschriebenen Eigenschaften gelten für unbelastete Pässe, wo weder der Innenwiderstand der Signalquelle noch der Eingangswiderstand einer Folgestufe einen Einfluss ausüben. In einer größeren Schaltung kann das durch vor- und nachgeschaltete Impedanzwandler erreicht werden. Sie werden zumeist als Pufferverstärker (engl. Buffer) bezeichnet. Ohne diese Entkopplung wird der Pass belastet, wobei die maximale Ausgangsspannung abnimmt und die Grenzfrequenz einen anderen Wert annimmt. Die Seite belasteter RC-Pass beschreibt entsprechende Untersuchungen und mathematische Herleitungen zur Übertragungsfunktion.