Informations- und Kommunikationstechnik

Transistorverstärker in Emitterschaltung

Von den drei Grundschaltungen mit bipolaren Transistoren ist die Emitterschaltung in der Verstärkertechnik sehr oft zu finden. Sie zeichnet sich über eine hohe Strom- und Spannungsverstärkung aus und hat günstige Ein- und Ausgangsimpedanzen. Sehr ausführliche Beschreibungen zu den Eigenschaften als Signalverstärker sind im Kapitel über den Kleinleistungsverstärker in Emitterschaltung. zu finden. Vergleiche zwischen Basis- und Kollektorschaltung sind im Kapitel Grundschaltungen der Transistorverstärker dargestellt.

In diesen Artikel sind neben den allgemeinen Angaben zur Emitterschaltung wichtige Maßnahmen zur Stabilisierung des DC-Arbeitspunktes beschrieben. Die Verfahren dazu sind eine Stromgegenkopplung und auch eine Spannungsgegenkopplung. Beide Methoden sind auch zur Signalgegenkopplung geeignet, um Signalverzerrungen und den damit unerwünschten Klirrfaktor zu minimieren.

Die Qualität des Ausgangssignals wird von der Lage des Arbeitspunkts und von der Verstärkung bestimmt. Durch eine zusätzliche Stabilisierung des Arbeitspunkts wird die Schaltung von der Betriebstemperatur unabhängig. Ebenso ermöglicht sie im Reparaturfall, dass beim Ersatz von Transistoren gleichen Typs trotz Exemplarstreuungen und Kennwerttoleranzen der Bauteile die Schaltung auch ohne Neuberechnung weiterhin gleich gut funktioniert.

Der Temperatureinfluss ist von besonderer Bedeutung, da er bei jeder Inbetriebnahme wirksam wird. Transistoren gehören wie alle Halbleiter zu den Heißleitern, die bei Erwärmung den Strom besser leiten. Die Temperaturerhöhung wirkt sich auf die Eingangskennlinie und die Schwellspannungen aus. Bei gleicher Basisspannung nimmt bei einer Temperaturerhöhung um 10° der Basisstrom durchschnittlich um den Faktor 2 zu. Die daraus folgende bessere Leitfähigkeit des Halbleiters erhöht über die Stromsteuerkennlinie den Kollektorstrom um den Faktor der Gleichstromverstärkung B. Die Verlustleistung des Transistors nimmt zu und er erwärmt sich weiter.

Ein zuvor berechneter Arbeitspunkt verschiebt sich ohne Gegenmaßnahmen in Richtung kleinerer Kollektor-Emitter Ausgangsspannungen. Bei der Großsignalverstärkung wird der gesamte Kennlinienbereich genutzt, sodass durch die Arbeitspunktdrift die Verzerrungen des Ausgangssignals zunehmen. Im Bereich der Sättigungsspannung zwischen Kollektor und Emitter entstehen Signalbegrenzungen. Die Verlustleistung im Halbleiterkristall nimmt durch den erhöhten Stromfluss zu, wobei anfangs nur kleine partielle Zonen betroffen sind. Insgesamt erwärmt sich der Kristall und seine Leitfähigkeit nimmt zu. Gefährdet ist hierbei die Diodenstrecke zwischen Basis und Emitter, die sich durch die selbst unterstützende Strom-Wärmekopplung zerstören kann.

Der DC-Arbeitspunkt des Transistors muss gegen Temperatureinfluss und Exemplarstreuungen stabilisiert werden.

Einstellverfahren für den Arbeitspunkt

Die Arbeitspunkteinstellung durch den Basisstrom

Der DC-Arbeitspunkt wird durch den Basisgleichstrom festgelegt. Für die Betriebsspannung wird ein Vorwiderstand R1 berechnet, der den Basisstrom bestimmt. Über die Stromsteuerkennlinie des Transistors stellen sich der Kollektorstrom und die verbleibende Spannung zwischen Kollektor und Emitter ein und bestimmen die Lage des Arbeitspunkts. Bei einer Temperaturerhöhung (δ) nehmen die Leitfähigkeit des Transistors und sein Kollektorstrom zu. Dadurch wird die Spannung am Arbeitswiderstand Ra größer und die Spannung am Kollektor proportional kleiner, sodass sich der Arbeitspunkt etwas verschiebt. Da der Basisstrom vom Basisvorwiderstand bestimmt konstant bleibt, gibt es keine sich selbst unterstützende Strom-Wärmekopplung. Die Stabilisierung des DC-Arbeitspunkts ist noch nicht optimal, der sie Exemplarstreuungen hinsichtlich des Gleichstromverstärkungsfaktors B beim Ersatz eines defekten Transistors nicht ausgleichen kann.

Emitterschaltung mit Wirkungskette

Die Arbeitspunkteinstellung mit zusätzlichem Emitterwiderstand

Die Arbeitspunktdrift kann mit einem niedrig dimensionierten Widerstand im Emitterkreis verringert werden. Vom Schaltungstyp her bleibt es eine Emittergrundschaltung, da der Emitter weiterhin niederohmig zur Betriebsmasse verbunden ist. Um die maximale Signalverstärkung nur wenig zu verringern sollte die DC-Spannung am Emitterwiderstand nur 1 bis 2 Volt betragen.

Nimmt der Kollektorstrom bei Erwärmung zu, so erzeugt er als Emitterstrom am Emitterwiderstand die Spannung URE. Das berechnete Basispotenzial bleibt konstant und das Emitterpotenzial wird durch den etwas zunehmenden Emitterstrom positiver. Beim npn-Transistor verringert sich die Steuerspannung zwischen Basis und Emitter. Die Basis-Emitterdiode leitet weniger und verringert den Steuerstrom des Transistors, sodass über die Stromsteuerkennlinie der Kollektorstrom geringer wird. Der kleinere Strom bewirkt einen geringeren Leistungsumsatz und weniger Erwärmung des Halbleiterkristalls. Es liegt ein automatischer Regelkreis vor, der den Arbeitspunkt wesentlich besser stabilisiert und Exemplarstreuungen beim Transistorwechsel gut ausgleichen kann.

Stromgegenkopplung mit Wirkungskette

Diese Stabilisierung kann weiter verbessert werden, denn durch den abnehmenden Basisstrom verringert auch die Spannung am Basisvorwiderstand R1. Das Basispotenzial wird dadurch positiver und lässt den Basisstrom nicht so weit absinken, wie es für eine optimale Arbeitspunktstabilisierung notwendig wäre.

Die Arbeitspunktstabilisierung durch Basisspannungsteiler und Heißleiter

Bei Leistungsverstärkern wird manchmal der Arbeitspunkt durch einen NTC-Widerstand im Basisspannungsteiler stabilisiert. Anstelle des NTC kann ebenso gut eine Diode oder ein als Diode geschalteter Kleinleistungstransistor verwendet werden. Die Heißleiter werden in engen thermischen Kontakt zum Leistungstransistor oder in dessen Nähe auf dem Kühlblech montiert. Mit steigender Temperatur werden sie niederohmig und verringern die Spannung zwischen Basis und Emitter des Leistungstransistors. Sowohl sein Basisstrom als auch sein Kollektorstrom verringern sich und wirken einer Arbeitspunktdrift entgegen. Die niederohmige Eigenschaft des Heißleiters wirkt sich nachteilig direkt auf den Eingangswiderstand des Transistors aus. Diese Art der Stabilisierung findet man daher nur bei Leistungsendstufen.

AP-Stabilisierung △

Emitterstrom-Gegenkopplung

Das Schaltungskonzept sieht einen Basisspannungsteiler und einen Emitterwiderstand RE vor. Zu jedem Arbeitspunkt gehört nach dem Mehrquadrantenfeld eines Transistors nicht nur der Basisstrom über die Stromsteuerkennlinie, sondern auch die dazu gehörige Basis-Emitterspannung entsprechend der Eingangskennlinie. So kann durch die Vorgabe einer UBE jeder gewünschte Arbeitspunkt eingestellt werden.

Ein richtig dimensionierter Basisspannungsteiler hält die Basisspannung konstant und optimiert den DC-Arbeitspunkt des Transistors. Bei einer dynamischen Ansteuerung verändert sich der Basisstrom und der Spannungsteiler wird unterschiedlich belastet. Damit die DC-Basisspannung möglichst konstant bleibt, muss der Teilerstrom ein Mehrfaches des notwendigen Basisstroms sein. Am belasteten Spannungsteiler bleibt bei einem Querstromfaktor von 5 ... 10 die Teilspannung weitgehend stabil. Die Basis-Emitterspannung ist dann nur von der Emitterspannung entsprechend dem sich ändernden Kollektorstrom abhängig. In den Gleichungen wird für den Querstromfaktor das Formelzeichen (m) verwendet.

Eine Gegenkopplung liegt vor, wenn ein Teil der Ausgangsgröße so auf den Eingang zurückgeführt wird, dass die Änderung der Ausgangsgröße verringert wird.

Die Driftverstärkung

Eine optimale Stabilisierung des DC-Arbeitspunkts wird erreicht, wenn bei äußeren Einflüssen sowohl die Änderungen des Kollektorstroms als auch der Kollektorspannung klein bleiben. Ein ΔIC führt zu einer Änderung der Emitterspannung ΔUE. Die Basisspannung des Transistors ist durch den Basisspannungsteiler fest eingestellt. Für die Steuerspannung des npn-Transistor folgt: \[{U_{BE}} = {U_B} - {U_E} \Rightarrow \Delta {U_{BE}} = {U_B} - \Delta {U_E} \Rightarrow \Delta {U_{BE}} \propto \Delta {U_E}\] Je größer der Wert des Emitterwiderstands ist, desto mehr wird einer Änderung des Kollektorstroms entgegengewirkt. Bei einem großen Kollektor- oder Arbeitswiderstand RC oder Ra genannt, entsteht schon bei einer kleinen Stromänderung eine größere Änderung der Kollektorspannung. Beide Änderungen werden in der Driftverstärkung erfasst.

Es gelten die mathematischen Zusammenhänge: \[\Delta {U_E} \approx \Delta {I_c} \cdot {R_E}{\kern 1pt} \quad \Delta {U_E} = |\Delta {U_{BE}}|\quad \Delta {U_c} = \Delta {I_c} \cdot {R_c}\] Die Driftverstärkung ist definiert als: \[{V_D} = \frac{{\Delta {U_c}}}{{\Delta {U_{BE}}}}\quad \quad {V_D} = \frac{{\Delta {U_c}}}{{\Delta {U_E}}} \approx \frac{{\Delta {I_c} \cdot {R_c}}}{{\Delta {I_c} \cdot {R_E}}}\] \[{V_D} \approx \frac{{{R_c}}}{{{R_E}}}\] Die Driftverstärkung gibt an, wievielmal größer die Änderung der Kollektorspannung bezogen auf die der Basis-Emitterspannung ist. Mit einer kleinen Driftverstärkung zwischen 0,5 bis 10 wird eine gute Stabilisierung erreicht. Ein Transistorverstärker in Emitterschaltung mit Basisspannungsteiler und Emitterwiderstand ist gegen äußere Einflüsse gut stabilisiert.

optimierte Emitterschaltung

Die Berechnungen der Bauteilwerte für einen stabilen DC-Arbeitspunkt sind einfach: \[\begin{array}{l} {R_a} = \frac{{{U_{Ra}}}}{{{I_c}}} = \frac{{U - {U_{CE}} - {U_{RE}}}}{{{I_C}}}\\ {R_E} = \frac{{{U_{RE}}}}{{{I_C} + {I_B}}}\quad oder\quad {R_E} \approx 0,1 \cdot {R_a}\\ {U_{B0}} = {U_{BE}} + {U_{RE}}\quad mit\quad {U_{BE}} = 0,7\,V\\ {I_q} = m \cdot {I_B}\\ {R_2} = \frac{{{U_{B0}}}}{{{I_q}}} = \frac{{{U_{B0}}}}{{m \cdot {I_B}}}\\ {R_1} = \frac{{U - {U_{B0}}}}{{{I_q} + {I_B}}} = \frac{{U - {U_{BE}} - {U_{RE}}}}{{(m + 1)\,{I_B}}} \end{array}\] Der Transistor verstärkt den AC-Signalstrom und erzeugt am Emitterwiderstand eine kleine Signalspannung uRE. Der Eingangsstrom durch die Basis-Emitter-Diode ist phasengleich zum verstärkten Kollektor- und Emitterstrom. Der Teil der AC-Ausgangsspannung am Emitterwiderstand uRE ist ebenfalls phasengleich. Das AC-Basispotenzial uB0 ist konstant und es gibt ein AC-Emitterpotenzial uE0. Das wirksame AC-Steuersignal des Transistors ist: \({u_{AC}} = {u_{BE}} = {u_{B0}} - {u_{E0}}\). Durch die Gegenkopplung ist ein kleineres Steuersignal wirksam.

Verstärkung und Stromgegenkopplung

Für die Signalparameter gilt: \[\begin{array}{l} {i_E} = {i_c} + {i_B}\quad \quad {i_B} \ll {i_c}\quad \to {i_E} \approx {i_c}\\ {u_e} = {u_{BE}} + {u_{RE}} \end{array}\] Für die Signalverstärkung gilt: \[\begin{array}{l} {V_u} = \frac{{{u_a}}}{{ue}} = \frac{{{u_a}}}{{{u_{BE}} + {u_{RE}}}}\\ {u_a} \approx {i_c}\,{R_c}\quad \quad {u_e} \approx {i_c}\,{R_e} \end{array}\] Die Gegenkopplung kann für die Signalverstärkung aufgehoben werden, wenn parallel zum Emitterwiderstand ein Kondensator ausreichend großer Kapazität geschaltet wird. Er hat einen von der Signalfrequenz abhängigen niedrigen Blindwiderstand. In der Parallelschaltung wird er nur für das Signal bestimmend. Der Kondensator legt den Emitter für das Signal fast auf Massepotenzial. Die den Arbeitspunkt bestimmenden Gleichspannungsverhältnisse ändern sich nicht. Der Emitterkondensator besitzt einen praktisch extrem hohen Gleichstromwiderstand, sodass der parallel liegende Emitterwiderstand für die statische Stromgegenkopplung bestimmend bleibt. Ohne Emitterkondensator besteht Signalgegenkopplung und mit Emitterkondensator ist für das Signal der RE gegen Masse quasi kurzgeschlossen: \[\begin{array}{l} {V_u} = \frac{{{i_c}\,{R_c}}}{{{i_c}\,{R_E}}} = \frac{{{R_c}}}{{{R_E}}}\\ {X_C} \ll {R_E}\quad \to {u_{RE}} \approx 0\quad \to {V_u} = \frac{{{u_a}}}{{{u_e}}} \end{array}\]

△

Spannungsgegenkopplung

Mit zunehmender Verstärkung nimmt die Verlustleistung des Transistors zu, die in Wärmeenergie umgewandelt wird. Die Temperaturzunahme erhöht die Leitfähigkeit des Halbleiterkristalls und verringert seine Kollektorspannung. Wird aus dieser Spannung über einen Vorwiderstand R1 der Basissteuerstrom gewonnen oder mittels Basisspannungsteiler die Basissteuerspannung erzeugt, so wird der Transistor weniger angesteuert und wirkt dem Kollektorstromanstieg entgegen. Mit dem Prinzip der Spannungsgegenkopplung kann ebenfalls der Arbeitspunkt stabilisiert werden.

Spannungsgegenkopplung mit Wirkungskette

Auf der Eingangsseite des Transistors ändern sich gleichzeitig die Spannung und der Basisstrom. Die Spannungsgegenkopplung gleicht somit auch Exemplarstreuungen gut aus. Die Driftverstärkung ist ein Maß für die Güte der Stabilisierung. Je kleiner sie ist, desto weniger wird der Arbeitspunkt beeinflusst. Die beste Stabilisierung wird ohne Basisspannungsteiler und nur durch einen Vorwiderstand erreicht.

Die Driftverstärkung errechnet sich aus dem Verhältnis der Spannungsänderungen von UCE zu UBE. Ist ein Basisspannungsteiler vorgesehen, dann liegt die Basis-Emitterspannung an der Parallelschaltung vom Teilerwiderstand R2 und dem dynamischen Widerstand rBE der Basis-Emitterstrecke. Die Spannung UCE liegt somit über dem Basisvorwiderstand und der Parallelschaltung, während die Steuerspannung nur über der Parallelschaltung liegt. \[{V_D} = \frac{{\Delta {U_{CE}}}}{{\Delta {U_{BE}}}}\quad {V_D} = \frac{{{R_1} + {R_2}||{r_{BE}}}}{{{R_2}||{r_{BE}}}}\quad {V_D} = 1 + \frac{{{R_1}}}{{{R_2}||{r_{BE}}}}\]

Die Spannungsgegenkopplung verringert die maximale Signalverstärkung und kann durch einen Kondensator verhindert werden. Ohne den Kondensator trifft ein Teil des verstärkten AC-Ausgangssignals mit 180° gegenphasig auf das Eingangssignal. Das ansteuernde Summensignal (rot) ist somit kleiner als das direkte Quellensignal (blau). Für den AC-Signalanteil ist der Kondensator sehr niederohmig und verringert eine unerwünschte Spannungsgegenkopplung.

Signale bei Spannungsgegenkopplung

Der Basisvorwiderstand R1 wird durch eine Reihenschaltung von zwei im Wert halb so großen Widerständen ersetzt. Der Kondensator ist dazwischen gegen Masse geschaltet, da er sonst entweder das gesamte Eingangs- oder Ausgangssignal nach Masse kurzschließt. Mit dem Kondensator wird die Signalrückkopplung zur Basis verhindert und ue steuert die Basis ohne Spannungsgegenkopplung an.

Die in diesem Kapitel für eine Emitterschaltung beschriebenen Maßnahmen zur Arbeitspunkteinstellung und Stabilisierung gelten ebenso für eine Basisschaltung und zum Teil auch für eine Kollektorschaltung.

△

Signalgegenkopplung zur Minimierung von Signalverzerrungen

Ein bipolarer Transistor wird über die Basis-Emitter-Diode angesteuert. Der statische Arbeitspunkt A liegt auf der gekrümmt verlaufenden Spannungs-Stromkennlinie der Diode. Die Ansteuerung erfolgt fast immer mit einem symmetrischen AC-Signal. In Abhängigkeit der AC-Eingangsamplitude führt das zu einem mehr oder weniger verzerrten Ausgangsstrom für den Transistor. Liegt der Arbeitspunkt A1 wie im Bild dargestellt im steileren Kennlinienbereich, so sind bei nicht zu großen Eingangsamplituden die Signalverzerrungen vernachlässigbar. Der Kennlinienverlauf ist um A1 annähernd linear. Nachteilig sind bei Nichtansteuerung der insgesamt hohe Ruhestrom und eine damit verbundene Gleichstromverlustleistung.

Ein kleinerer Ruhestrom verschiebt den Arbeitspunkt nach A2 in den stark gekrümmten Bereich der Kennlinie. Da die Krümmung nicht gleichmäßig ist, entstehen selbst bei einem kleinen Eingangssignal in jeder Halbperiode unterschiedlich starke Signalverzerrungen. Das Stromsteuersignal bei größeren Eingangsamplituden ist dort immer verzerrt. An einer gekrümmten Kennlinie entstehen nichtlineare Verzerrungen als neuen Frequenzen, die im Eingangssignal nicht vorhanden sind. Mittels einer Klirrfaktormessbrücke oder durch die Signalanalyse nach Fourier mit einem Frequenzanalysator lassen sich die nichtlinearen Verzerrungen im Ausgangssignal nachweisen. Die Summe der Verzerrungen werden als Klirrfaktor bezeichnet.

Signaldiagramme bei nichtlinearen Verzerrungen

Im Gegensatz dazu treten bei Hoch- und Tiefpässen und damit erstellten Filterschaltungen nur linearen Verzerrungen auf. Die Übertragungsfunktionen dieser Baugruppen beeinflussen nur die Amplituden, nicht aber die Frequenzzusammensetzung der Eingangssignale. Die Ausgangssignale weisen nur lineare Verzerrungen auf.

Die Grafik zeigt bei gleicher Kleinsignalansteuerung die im jeweiligen Arbeitspunkt auftretenden Signalverzerrungen. Bei A1 im fast linearen Kennlinienabschnitt wird aus der symmetrischen Eingangsspannung ΔuBE ein symmetrischer Steuerstrom ΔiB. Am Arbeitswiderstand gemessen zeigt das Oszillogramm ein unverzerrtes Sinussignal. Die Fourieranalyse der Ausgangsspannung weist im Frequenzspektrum einen sehr geringen Oberwellenanteil bei 2 kHz und einen entsprechend niedrigen Gesamtklirrfaktor von THD = 1,7% auf. Der Kollektorruhestrom in A1 betrug 25 mA.

Im Arbeitspunkt A2 betrug der Kollektorruhestrom nur noch 6 mA. Hier wirkt sich selbst bei einer Kleinsignalansteuerung die gekrümmte Kennlinie ungünstig aus. Die symmetrische Eingangsspannung führt im Verlauf der negativen Halbwelle zu einem gestauchten Steuerstrom. Im Oszillogramm der Ausgangsspannung ist die Verzerrung erkennbar. Die Fourieranalyse zeigt neue Frequenzlinien bei 2 kHz und 3 kHz. Der Gesamtklirrfaktor ist auf TDH = 6,5% angestiegen und wäre in einem Audiosignal deutlich hörbar.

Diese Messungen wurden an einem Transistorverstärker ohne Gegenkopplungen durchgeführt. Mit einer aktiven Signalgegenkopplung kann auch an einer gekrümmten Kennlinie bei großer Eingangsamplitude ein weitgehend unverzerrtes Ausgangssignal erhalten werden. Zu diesen Untersuchungen wurden die Schaltungsparameter so gewählt, dass der Arbeitspunkt auf der Eingangskennlinie gleich blieb. Mit vorhandener Gegenkopplung wurde das Eingangssignal so weit vergrößert, dass die Steuerspannung den gleichen positiven Spitzenwert hatte. Die Signalquelle lieferte eine unverzerrte Sinusspannung. Die Gegenkopplung kann aus einer Strom- oder Spannungsgegenkopplung bestehen.

Stromgegenkopplung

Durch die gekrümmte Eingangskennlinie entsteht mit Stromgegenkopplung am Emitter ein gleichphasiges aber verzerrtes Signal. Die eigentliche Steuerspannung als Spannungsdifferenz aus unverzerrter Signalspannung an der Basis und verzerrter Emitterspannung ist jetzt ebenfalls verzerrt. Dieses Signal führt im gleichen Arbeitspunkt an derselben Krümmung zu einem nunmehr verzerrungsarmen Steuerstrom.

Spannungsgegenkopplung

Die Emitterschaltung mit Spannungsgegenkopplung koppelt einen Teil des 180° invertierten und verzerrten Ausgangssignals vom Kollektor an die Basis zurück. An der Eingangsimpedanz addieren sich die Signale und das Rückkoppelsignal schwächt die Eingangsspannung. Es entsteht eine neue verzerrte Steuerspannung an der Basis-Emitterdiode, die an derselben Eingangskennlinie jetzt zum verzerrungsarmen Steuerstrom führt.

Signale bei Gegenkopplung

Ohne Gegenkopplung ergibt eine relativ große Eingangsamplitude ein stark verzerrtes Ausgangssignal. Bei der hohen Spannungsverstärkung werden daher rund 11%, Gesamtklirrfaktor gemessen. Mit dem gleichen Eingangssignal und einer Gegenkopplung bleibt der Klirrfaktor unter 1%, wobei die Spannungsverstärkung noch gleich geblieben ist.

Gegenkopplungsmaßnahmen stabilisieren den statischen Arbeitspunkt.
Eine Gegenkopplung verkleinert nichtlineare Signalverzerrungen und senkt dadurch den Klirrfaktor.
Gegenkopplungen machen Schaltungen im Reparaturfall unabhängig von Exemplarstreuungen der zu ersetzenden Transistoren.